Viola Richter-Jürgens
Das Leben - wie ein Stück Seife*

Corona und Alltag

Diese Seite hieß anfangs „Corona - kleine Bilder, kleine Texte“ (141 Bilder, von denen Sie eine Auswahl weiter unten finden). Jetzt heißt sie "Alltag". Am 2.1.21, meinem Tag 295 nach Corona, ist Corona weiterhin an meiner Seite. Wie wir uns auch sträuben, wie wir auch das Virus für wahr oder unwahr halten mögen, wir kommen daran nicht vorbei. Corona ist Alltag geworden, und alles, woran wir nicht vorbeikommen, nehmen wir am besten an, um nicht daran zu ersticken. Annehmen nicht im Sinne von ohnmächtigem Dulden, annehmen mit weiterhin offenen Augen, kritischem Hinterfragen und gesundem Menschenverstand.

Corona bleibt, und genauso wenig, wie wir vor Corona gewusst haben, dass wir vor Corona sind, wissen wir heute, wie und wann wir nach Corona sein werden. Wahrscheinlich werden wir nie mehr nach Corona sein, sondern immer nur mehr oder weniger mittendrin.

Januar 2021


Dezember 2020

Pantun* - Weihnachten

Weihnachten ist jedes Jahr
Nun hört man an manchen Tagen
Ganz anders als es bisher war
In den Lüften Engelklagen

 Nun hört man an manchen Tagen
„Wird man uns maskiert erkennen?“
In den Lüften Engelklagen
„Wenn wir sie beim Namen nennen?“

„Wird man uns maskiert erkennen?“
Hoffnung ist nicht kleinzukriegen
„Wenn wir sie beim Namen nennen?“
Zuversicht wird Angst besiegen

Hoffnung ist nicht kleinzukriegen
Nicht anders als es bisher war
Zuversicht wird Angst besiegen
Weihnachten ist jedes Jahr


November 2020

Pantun* - Corona/Nachdenken 

Ein Dasein vollbringen, das lohnt
Alt werden darüber und klug
Die Tage mal neu, mal gewohnt
Von allem mal knapp, mal genug

Alt werden darüber und klug
Die Sinne bereit zum Empfang
Von allem mal knapp, mal genug
Das Herz voller Zweifel und Dank 

Die Sinne bereit zum Empfang
Schiffbrüche sehn und vergeben
Das Herz voller Zweifel und Dank
Für dieses einzige Leben
Schiffbrüche sehn und vergeben
Die Tage mal neu, mal gewohnt
Für dieses einzige Leben
Ein Dasein vollbringen, das lohnt 

* Ein Pantun kann aus beliebig vielen Strophen bestehen. Die Strophen bestehen aus vier Zeilen mit je acht bis zwölf Silben. Gereimt werden diese Quartette im Kreuzreim, also a-b-a-b. Jeweils die zweite und vierte Zeile einer Strophe werden als erste und dritte Zeile der nächsten Strophe wiederholt. Zusätzlich wird die dritte Zeile der ersten zur zweiten Zeile der letzten Strophe und der erste Vers des Gedichtes zum letzten, teilweise bleiben aber erste und dritte Zeile der ersten Strophe auch unvertauscht. Ein Gedicht mit vier Strophen besteht also aus nur acht verschiedenen Versen und vier Reimpaaren.
 … mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Pantun#


Oktober 2020

Pantun

Ein Virus wird uns bezwingen
Vertrautes zu Kleinholz zerlegen
Wir, tapfer in allen Dingen
Wir kämpfen verzweifelt dagegen

Vertrautes zu Kleinholz zerlegen
Im Schlepptau die Pleiten, die Kranken
Wir kämpfen verzweifelt dagegen
Wem haben wir das zu verdanken?

Im Schlepptau die Pleiten, die Kranken
Ein Nebel verstellt unsre Sicht
Wem haben wir das zu verdanken?
Wir finden den Schuldigen nicht

Ein Nebel verstellt unsre Sicht
Wir, tapfer in allen Dingen
Wir finden den Schuldigen nicht
Kein Virus wird uns bezwingen!

https://www.uni-bielefeld.de/uni/kultur-veranstaltungen/kultur/corona-galerie/


September 2020


Juni 2020

Corona - die öffentliche Seite und die persönliche - neben allen anderen Seiten, deren Aufzählung sehr individuell ist und in die eigene Verwirrung führen muss. Seit Freitag, den 13.3.20 (mein Tag 1) habe ich jeden Tag ein 10x10-Bild gezeichnet, mir dafür max. 1,5 Stunden bewilligt, um so meinem Wunsch nach Perfektion ein Schnippchen zu schlagen. Sich selbst einen Rahmen bzw. Grenzen zu setzen ist übrigens eine schöne Möglichkeit, sich nicht zu verirren. 

Unten sehen Sie eine Auswahl meiner Tagesbilder. Sie zeigen eher meine Sicht der öffentlichen Seite - die persönliche ist doch hin und wieder zu persönlich.

Bedeutende Themen sind mit der Zeit im Schlamm von Rechtfertigung, Abwehr und Verleugnung versunken. Sie werden nun von Corona hochgespült. Armut, Arbeitsschutz, Bildung, Kindeswohl, Mindestlohn, Rasse, Tierwohl, Werkvertrag ...  sind plötzlich (wieder) auf der Agenda, erlangen neue Aufmerksamkeit. Zu gerne hätte man geglaubt, sie seien vor langer Zeit bereits erledigt zu den Akten gelegt worden.  

Bei allem psychischen, finanziellen und gesundheitlichen Leid, das Corona der Welt gebracht hat, bleibt immer noch die alltägliche, stille Seite mit der Chance auf Veränderung, abseits von "immer schneller, höher, weiter".