Viola Richter-Jürgens
Das Leben - wie ein Stück Seife*

Corona und Alltag

September 2020

Diese Seite hieß anfangs „Corona - kleine Bilder, kleine Texte“. Jetzt heißt sie "Alltag". Am 4.9.20, meinem Tag 176 nach Corona, ist Corona weiterhin an meiner Seite. Wie wir uns auch sträuben, wie wir auch das Virus für wahr oder unwahr halten mögen, wir kommen daran nicht vorbei. Corona ist Alltag geworden, und alles, woran wir nicht vorbeikommen, nehmen wir am besten an, um nicht daran zu ersticken. Annehmen nicht im Sinne von ohnmächtigem Dulden, annehmen mit weiterhin offenen Augen, kritischem Hinterfragen und gesundem Menschenverstand.

Corona bleibt, und genauso wenig, wie wir vor Corona gewusst haben, dass wir vor Corona sind, wissen wir heute, wie und wann wir nach Corona sein werden. Wahrscheinlich werden wir nie mehr nach Corona sein, sondern immer nur mehr oder weniger mittendrin.


Juni 2020

Corona - die öffentliche Seite und die persönliche - neben allen anderen Seiten, deren Aufzählung sehr individuell ist und in die eigene Verwirrung führen muss. Seit Freitag, den 13.3.20 (mein Tag 1) habe ich jeden Tag ein 10x10-Bild gezeichnet, mir dafür max. 1,5 Stunden bewilligt, um so meinem Wunsch nach Perfektion ein Schnippchen zu schlagen. Sich selbst einen Rahmen bzw. Grenzen zu setzen ist übrigens eine schöne Möglichkeit, sich nicht zu verirren. 

Unten sehen Sie eine Auswahl meiner Tagesbilder. Sie zeigen eher meine Sicht der öffentlichen Seite - die persönliche ist doch hin und wieder zu persönlich.

Bedeutende Themen sind mit der Zeit im Schlamm von Rechtfertigung, Abwehr und Verleugnung versunken. Sie werden nun von Corona hochgespült. Armut, Arbeitsschutz, Bildung, Kindeswohl, Mindestlohn, Rasse, Tierwohl, Werkvertrag ...  sind plötzlich (wieder) auf der Agenda, erlangen neue Aufmerksamkeit. Zu gerne hätte man geglaubt, sie seien vor langer Zeit bereits erledigt zu den Akten gelegt worden.  

Bei allem psychischen, finanziellen und gesundheitlichen Leid, das Corona der Welt gebracht hat, bleibt immer noch die alltägliche, stille Seite mit der Chance auf Veränderung, abseits von "immer schneller, höher, weiter".