Viola Richter-Jürgens
Das Leben - wie ein Stück Seife*

Corona und Alltag

Diese Seite hieß anfangs „Corona - kleine Bilder, kleine Texte“ (149 Bilder, von denen Sie eine Auswahl weiter unten finden). Jetzt heißt sie "Alltag". 

Am 10.9.21, meinem Tag 539 nach Corona, 

ist Corona weiterhin an meiner Seite. Wie wir uns auch sträuben, wie wir auch das Virus für wahr oder unwahr halten mögen, wir kommen daran nicht vorbei. Corona ist Alltag geworden, und alles, woran wir nicht vorbeikommen, nehmen wir am besten an, um nicht daran zu ersticken. Annehmen nicht im Sinne von ohnmächtigem Dulden, annehmen mit weiterhin offenen Augen, kritischem Hinterfragen und gesundem Menschenverstand.

Corona bleibt, und genauso wenig, wie wir vor Corona gewusst haben, dass wir vor Corona sind, wissen wir heute, wie und wann wir nach Corona sein werden. Wahrscheinlich werden wir nie mehr nach Corona sein, sondern immer nur mehr oder weniger mittendrin.

Und dennoch: im Juni 2021 scheint etwas anders. Mehr Menschen draußen, mehr Kinder auf den Straßen - ihr fröhliches Herumtoben macht einfach froh. Und statt über "Corona ist oder ist nicht" erwächst nun neue Energie, über die politische Bedeutung des Regenbogens zu streiten. Der arme Regenbogen - er hätte das sicher nicht gewollt.

Mitte Juli 2021: kaum, dass sich das Gespenst Corona etwas zurückzieht, gibt es, abgesehen von den unerträglichen Welt-Nachrichten, neue, bedrückende Nachrichten aus Deutschland. Schlagzeilen aus der Neuen Westfälischen am 16.7.21 "Unwetter fordern mehr als 50 Tote. Dauerregen hat im Westen Deutschlands Flüsse und Bäche in reißende Fluten verwandelt. Dutzende Menschen werden vermisst, die Lage bleibt extrem angespannt", am  17.7.21 "Flutkatastrophe verwüstet das Land. Die Unwetterfolgen im Westen Deutschlands nehmen immer größere Ausmaße an. Die Zahl der Toten und Verletzten steigt weiter. Die Spendenbereitschaft in Gesellschaft und Bevölkerung wächst."

Verluste, Verluste, Verluste ...

August 2021: verteilt über die Welt toben Hitze, Feuer, Fluten, Gewalt unter dem Deckmantel von Gerechtigkeit und Verteidigung - die Schutzinseln, auf denen wir (noch) leben dürfen, sind Anlass für Dankbarkeit, hinterlassen aber immer wieder auch ein mulmiges Gefühl. 

So bleiben weiterhin nebeneinander bestehen das Dunkle und das Helle ...  

September 2021: und immer wieder die sanften Zeiten, wo es scheint, alles, aber auch alles sei gut, klar und durchsichtig. Verwirrende Gegensätze, trügerische Stille ... 


September 2021


August 2021


Juli 2021

Diversität (über englisch diversity von lateinisch diversitas „Verschiedenheit, Unterschied; Gegensatz, Widerspruch“) bezeichnet ein Konzept der Soziologie und Sozialpsychologie zur Unterscheidung und Anerkennung von Gruppen- und individuellen Merkmalen (analog zur Bezeichnung diversity im englischen Sprachraum). Häufig wird auch die Bezeichnung Vielfalt benutzt. Diversität von Personen – sofern auch rechtlich relevant – wird klassischerweise auf folgenden Ebenen betrachtet: Alter, ethnische Herkunft und Nationalität, Geschlecht und Geschlechtsidentität, körperliche und geistige Fähigkeiten (früher verengt auf das Merkmal „Behinderung“), Religion und Weltanschauung, sexuelle Orientierung und Identität sowie soziale Herkunft (so die Charta der Vielfalt).[1] Allerdings ist etwa die soziale Herkunft als Diversitätskriterium noch nicht überall akzeptiert.[2] Weniger Aufmerksamkeit erhalten eine große Zahl weiterer sozialisationsbedingter und kultureller Unterschiede wie Arbeitsstil, Wahrnehmungsmuster oder Dialekt, welche die kulturelle Vielfalt weiter erhöhen und kontextabhängig ebenfalls Untersuchung und gegebenenfalls soziale Anerkennung benötigen.[3] In diesem soziologischen Framing spielt die individuelle Diversität genetisch vererbter Faktoren eine untergeordnete Rolle zugunsten des Konzepts der kollektiven Identitäten (englisch nature versus nurture).

https://de.wikipedia.org/wiki/Diversität_(Soziologie)


Juni 2021


Mai 2021


April 2021

 Pantun* – Kirschblüte

Kirschblüten weißer Schimmer
Tulpen in leuchtendem Rot
Draußen ist alles wie immer
Nur drinnen ist viel mehr Tod

Tulpen in leuchtendem Rot
Draußen bleibt uns nichts schuldig
Nur drinnen ist viel mehr Tod
Die Amsel wartet geduldig

Draußen bleibt uns nichts schuldig
Der Kirschbaum wächst Jahr um Jahr
Die Amsel wartet geduldig
Nur drinnen ist nichts, wie es war

Der Kirschbaum wächst Jahr um Jahr
Draußen ist alles wie immer
Nur drinnen ist nichts, wie es war
Kirschblüten weißer Schimmer

Wunderschöne Ostern - trotz alledem!

März 2021

 Pantun* – Zeitumstellung

Wohin verschwindet die Stunde
Die mir im Frühling geraubt
Aus fragwürdigem Grunde
Oktober retour – nutzlos, verstaubt

Die mir im Frühling geraubt
Samt einmaligen Chancen
Oktober retour – nutzlos, verstaubt
Scheinheilige Avancen!

Samt einmaligen Chancen
Sind niemals nachzuholen
Scheinheilige Avancen!
Gestohlen bleibt gestohlen

Sind niemals nachzuholen
Aus fragwürdigem Grunde
Gestohlen bleibt gestohlen
Wohin verschwindet die Stunde ...


 Meteorologisch oder astronomisch - der Frühling kommt - bisher immer wieder und wie es aussieht, auch weiterhin.
Und immer wieder ein Zeichen für Verlässlichkeit und Glauben-dürfen, dass es schließlich immer wieder Frühling und immer wieder gut wird.

Trotz Frühling ... Mehr Gewalttaten durch Corona-bedingte Isolation.
Das Hilfetelefon für betroffene Frauen ist unter der kostenlosen Telefonnummer 0800/0116016
und für betroffene Männer unter 0800/1239900 zu erreichen.

 



Februar 2021

 


Januar 2021

 Dezember 2020

Pantun* - Weihnachten

 Weihnachten ist jedes Jahr
Nun hört man an manchen Tagen
Ganz anders als es bisher war
In den Lüften Engelklagen 

 Nun hört man an manchen Tagen
„Wird man uns maskiert erkennen?“
In den Lüften Engelklagen
„Wenn wir sie beim Namen nennen?“
 
„Wird man uns maskiert erkennen?“
Hoffnung ist nicht kleinzukriegen
„Wenn wir sie beim Namen nennen?“
Zuversicht wird Angst besiegen
 
Hoffnung ist nicht kleinzukriegen
Nicht anders als es bisher war
Zuversicht wird Angst besiegen
Weihnachten ist jedes Jahr 


November 2020

Pantun* - Corona/Nachdenken 

 Ein Dasein vollbringen, das lohnt
Alt werden darüber und klug
Die Tage mal neu, mal gewohnt
Von allem mal knapp, mal genug 

Alt werden darüber und klug
Die Sinne bereit zum Empfang
Von allem mal knapp, mal genug
Das Herz voller Zweifel und Dank 
Die Sinne bereit zum Empfang
Schiffbrüche sehn und vergeben
Das Herz voller Zweifel und Dank
Für dieses einzige Leben

Schiffbrüche sehn und vergeben
Die Tage mal neu, mal gewohnt
Für dieses einzige Leben
Ein Dasein vollbringen, das lohnt 

 

* Ein Pantun kann aus beliebig vielen Strophen bestehen. Die Strophen bestehen aus vier Zeilen mit je acht bis zwölf Silben. Gereimt werden diese Quartette im Kreuzreim, also a-b-a-b. Jeweils die zweite und vierte Zeile einer Strophe werden als erste und dritte Zeile der nächsten Strophe wiederholt. Zusätzlich wird die dritte Zeile der ersten zur zweiten Zeile der letzten Strophe und der erste Vers des Gedichtes zum letzten, teilweise bleiben aber erste und dritte Zeile der ersten Strophe auch unvertauscht. Ein Gedicht mit vier Strophen besteht also aus nur acht verschiedenen Versen und vier Reimpaaren.

 

 

 


Oktober 2020

Pantun

 Ein Virus wird uns bezwingen
Vertrautes zu Kleinholz zerlegen
Wir, tapfer in allen Dingen
Wir kämpfen verzweifelt dagegen 

Vertrautes zu Kleinholz zerlegen
Im Schlepptau die Pleiten, die Kranken
Wir kämpfen verzweifelt dagegen
Wem haben wir das zu verdanken?
Im Schlepptau die Pleiten, die Kranken
Ein Nebel verstellt unsre Sicht
Wem haben wir das zu verdanken?
Wir finden den Schuldigen nicht

Ein Nebel verstellt unsre Sicht 
Wir, tapfer in allen Dingen
Wir finden den Schuldigen nicht
Kein Virus wird uns bezwingen!

 

https://www.uni-bielefeld.de/uni/kultur-veranstaltungen/kultur/corona-galerie/


September 2020


Juni 2020

Corona - die öffentliche Seite und die persönliche - neben allen anderen Seiten, deren Aufzählung sehr individuell ist und in die eigene Verwirrung führen muss. Seit Freitag, den 13.3.20 (mein Tag 1) habe ich jeden Tag ein 10x10-Bild gezeichnet, mir dafür max. 1,5 Stunden bewilligt, um so meinem Wunsch nach Perfektion ein Schnippchen zu schlagen. Sich selbst einen Rahmen bzw. Grenzen zu setzen ist übrigens eine schöne Möglichkeit, sich nicht zu verirren. 

Unten sehen Sie eine Auswahl meiner Tagesbilder. Sie zeigen eher meine Sicht der öffentlichen Seite - die persönliche ist doch hin und wieder zu persönlich.

Bedeutende Themen sind mit der Zeit im Schlamm von Rechtfertigung, Abwehr und Verleugnung versunken. Sie werden nun von Corona hochgespült. Armut, Arbeitsschutz, Bildung, Kindeswohl, Mindestlohn, Rasse, Tierwohl, Werkvertrag ...  sind plötzlich (wieder) auf der Agenda, erlangen neue Aufmerksamkeit. Zu gerne hätte man geglaubt, sie seien vor langer Zeit bereits erledigt zu den Akten gelegt worden.  

Bei allem psychischen, finanziellen und gesundheitlichen Leid, das Corona der Welt gebracht hat, bleibt immer noch die alltägliche, stille Seite mit der Chance auf Veränderung, abseits von "immer schneller, höher, weiter".